Schlitzer Single Malt Klassisch
Schlitzer Single Malt Klassisch

Schlitzer Single Malt Klassisch

Wenn Whisky-Romantiker von den nebelverhangenen Highlands schwärmen und von jahrhundertealten Traditionen schwadronieren, lächelt die Schlitzer Destillerie milde. Seit 1585 brennt man hier – allerdings hatte damals noch niemand die verrückte Idee, ausgerechnet in Hessen Whisky zu produzieren. Das sollte noch ein paar Jahrhunderte dauern. Seit 1983 versucht sich die traditionsreiche Brennerei nun an der schottischen Königsdisziplin, und heraus kommt dabei... nun ja, der Schlitzer Single Malt Klassisch.

  • Single Malt
  • Deutschland
  • NAS
  • 43% Vol.
  • Schlitzer Korn- & Edelobstbrennerei GmbH
  • 59,90 €/l

Verkostung

Nase

Halten wir das Glas unter die Nase, präsentiert sich der Schlitzer mit – nun, nennen wir es mal "zurückhaltender Präsenz". Frisches Eichenfass ist da, definitiv. Man riecht förmlich, wie die Bourbon-Fässer ihre Arbeit getan haben. Das Problem: Sie haben vielleicht ein bisschen zu wenig Zeit dafür gehabt. Die Vanillenoten sind da, ziemlich vanillig sogar, fast so, als hätte jemand vergessen, dass Subtilität eine Tugend ist. Leicht hellfruchtiger Hauch. Das klingt romantischer, als es ist. Wir sprechen hier nicht von saftigen Pfirsichen oder exotischen Mangos, sondern eher von der Erinnerung an Früchte, die mal in der Nähe waren. Ein Hauch Malz gesellt sich hinzu, und dann kommt die Überraschung: Marzipan. Ja, Marzipan. Als hätte sich der Whisky spontan entschieden, an Weihnachten zu erinnern. Allerdings an das Marzipan vom Discounter, nicht an das handgemachte vom Konditor.

Gaumen

Apfel! Fruchtiger Apfel! Endlich passiert was! Der Schlitzer liefert hier sein stärkstes Argument: eine klare, fruchtige Apfelnote, die tatsächlich erfrischend wirkt. Nicht komplex, nicht vielschichtig, aber zumindest präsent. Es ist der Moment, in dem man denkt: "Okay, vielleicht wird das ja doch noch was." Dann kommt die leichte Trockenheit. Nicht unangenehm, aber auch nicht besonders aufregend. Es ist, als hätte der Whisky beschlossen, lieber dezent zu bleiben, statt sich zu blamieren. Ein bisschen Mini-Eiche taucht auf ... ja, Mini-Eiche. Nicht die kraftvollen Holznoten eines gereiften Malts, sondern eher so, als hätte man einen Zahnstocher aus Eichenholz ins Glas gelegt und kurz gewartet.

Abgang

Und hier passiert das Unvermeidliche: Das Finish ist – nun, wie soll man das diplomatisch ausdrücken? – schwach. Sehr schwach. "Vodka" steht in unseren Tasting-Notes, und das ist leider keine Übertreibung. Der Whisky verschwindet schneller aus dem Mund, als man "Sláinte" sagen kann.

Gedanken

Marcel

Marcel 53/100

Schlitzer wagt den Sprung in die Whisky-Welt mit viel Charme, doch der Genuss will sich nicht ganz einstellen. Der Apfel bringt kurz Freude, das Finish aber flüchtet wie ein scheues Reh – da ist noch Luft nach oben für echten Trinkspaß.

Sascha

Sascha 55/100

Die Balance zwischen Fassnoten und Frucht ist hier noch unausgereift, der Schlitzer wirkt unausgewogen und etwas flach in der Struktur. Trotz erkennbarer Ansätze fehlt die Tiefe, um den Anspruch eines klassischen Single Malts zu erfüllen.

Preis-Leistung: Teuer

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Häufig gestellte Fragen

Warum schmeckt der Schlitzer Single Malt Klassisch weniger komplex als schottische Single Malts?

Der Schlitzer Single Malt Klassisch wird in Hessen produziert und ist vergleichsweise jung. Die Reifung in Bourbon-Fässern dauert nicht sehr lange, was zu einer geringeren Komplexität und schwächeren Holznoten führt als bei vielen schottischen Single Malts mit längerer Lagerzeit.

Was bedeutet die Angabe '0 Jahre' beim Alter des Schlitzer Single Malt Klassisch?

Die Angabe '0 Jahre' bedeutet, dass der Whisky keinen offiziellen Altersangaben (Age Statement) trägt. Das heißt, es wird kein Mindestalter auf dem Etikett angegeben, was oft bei jüngeren oder verschnittenen Whiskys der Fall ist.

Wie beeinflusst die Fasswahl den Geschmack des Schlitzer Single Malt Klassisch?

Der Schlitzer Single Malt Klassisch reift hauptsächlich in Bourbon-Fässern, was Vanille- und leichte Eichenaromen mitbringt. Da die Fassreifung kurz ist, dominieren eher milde, vanillige Noten und eine dezente Fruchtigkeit, während intensive Holz- oder Raucharomen fehlen.